Zeig mir deine Wunder

Wir möchten gar nicht den Kosmos erobern. Wir suchen den Spiegel. Ein Mensch braucht einen Menschen.

PRESSE WUNDER

Süddeutsche Zeitung, Egbert Tholl, 27.06.2018

„Auf jeden Fall ist es so, dass man bei den beiden Damen gut fündig wird, wenn man einen maximal ungewöhnlichen Zugriff auf Opernwerke sucht. (…) Kronfoth und Lwowski fahren Zirkus und Poesie auf, Wirrwarr und Erhellendes. (…) bei aller anarchischen Unfertigkeit entstehen im hingezauberten Licht von Benedikt Zehm immer wieder wunderschöne Bilder.“

Klassik begeistert, Raphael Eckhardt, 28.06.2018

„Die schlichten Holzbänke, auf denen man eng gedrängt, an Biergartengarnituren sitzend, zu Beginn mitfeiern und echten (wenn auch eher schlechten) Wodka trinken darf, beanspruchen das menschliche Sitzfleisch drei Stunden auf derartig unbequeme und penetrante Weise, dass eine „kollektive Einschlafgefahr“ ohnehin nicht besteht – und die wäre bei ebenjener Produktion wohl mit dem musikalischen und szenischen Tod gleichzustellen! Denn wenn sich das Musiktheaterkollektiv Hauen und Stechen bei der Festspielwerkstatt der Bayerischen Staatsoper Rimsky-Korsakows vieraktigem Opernepos „Das Schneeflöckchen“ annimmt, dann ist nicht nur musikalisch einiges geboten, sondern dann wird das Publikum von der reinen Zuhörerschaft auch ganz schnell zum szenisch ekstatischen Statistenkollektiv.“

„Stattdessen eröffnet das junge, aber hochgradig talentierte Regieduo um Julia Lwowski und Franziska Kronfoth einen denkwürdigen Abend mit einer beeindruckenden Mittsommer-Prozession, bei der symbolischer Schnee vom Himmel fällt. Und überhaupt ist an diesem Abend alles ein wenig anders“

„Das ändert sich auch dann nicht, als die an diesem Abend phänomenal auftrumpfende Titelheldin Anna El-Kashem (Snegorutschka) mit ihrem sirenenartigen Gesang einen in vollkommene Dunkelheit gehüllten Saal in einer nie da gewesenen Reinheit verzaubert. Beinahe schwerelos dahingleitende Glühwürmchen tanzen da durch den Schatten der Nacht.“

„Großes leistet auch ein kleines Musikensemble aus fünf Streichern, Saxophon, Tuba, Posaune, Akkordeon, Klavier und Schlagzeug, das Rimsky-Korsakows Musikgewalt in völlig neuem Lichte erklingen lässt. (…) einen ganz besonderen Reiz, der urige Zigeunerklänge mit versprengt russischen Tanzelementen auf ganz und gar zauberhafte Weise zu vereinen weiß.“

„Als die Künstlerschaft sich am Ende kollektiv durch eine vereinzelt rot aufblinkende Feuerschutztür ins Freie verabschiedet, donnert ohrenbetäubender Applaus durch die sonst eher dumpfe Schwabinger Reithalle. Chapeau, Frau Lwowski und Frau Kronfoth, das mache Ihnen erst einmal einer nach!“

Die deutsche Bühne, Klaus Kalchschmid, 27.06.2018

„Drei Stunden lang wird in der langgezogenen und komplett bespielten Reithalle das Sitzfleisch des Publikums stärker gefordert als im Bayreuther Festspielhaus: Ob schlichte Holzbänke, auf denen man dicht gedrängt an Biertischen zu Beginn mitfeiern und (echten) Wodka trinken darf, der nackte Fußboden um eine immer wieder aufwirbelnde Schneelandschaft oder schräge, harzige Holzstämme: Wenn sich das Musiktheater-Kollektiv HAUEN-UND-STECHEN bei der Festspiel-Werkstatt der Bayerischen Staatsoper Rimsky-Korsakows Oper „Das Schneeflöckchen“ vornimmt, dann ist nicht nur einiges geboten, das Ganze findet auch mit dem und im Publikum statt.“

„Stattdessen beginnt es draußen mit einer Mittsommer-Prozession, bei der symbolisch Schnee fällt und der Konzertchor der Schule für Chorkunst München auf Russisch singt. Im Saal herrscht dann Dunkelheit, die letzten (auch menschlichen) Glühwürmchen tanzen und wir dürfen hinter Gaze das erste Mal Anna El-Kashem in der Titelpartie hören: mit einem zauberischen, keuschen Sirenengesang.“

„Großes leistet ein kleines Orchester aus fünf Streichern, Saxophon, Tuba/Posaune, Akkordeon, Schlagzeug und Klavier. Rimski-Korsakows Partitur, die im Original dreieinhalb Stunden dauert und hier auf geschätzt eine Stunde verdampft ist, wird in keinem Moment Gewalt angetan, vielmehr entfaltet sie so einen ganz besonderen Reiz, klingt es mal nach Zigeunerkapelle, mal nach russischem Tanzboden.“

„Denn nun weitet sich das Geschehen in den Weltraum und noch einmal darf die allgegenwärtige Kamera nah an die Darsteller ran, wird alles auf einen großen Gazevorhang projizieren, diesmal sehr witzig und echt wirkend das Geschehen in der Schwerelosigkeit einer Raumkapsel. Am Ende klettern alle durch eine Feuerschutztür nach draußen; nur kurz leuchten die Stufen einer der drei kleinen Leitern noch rot auf.“

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